|
Die wenigsten Ideen werden von uns gefunden. Meist finden uns die Ideen. So war es auch mit „Lanzarote-life.Net“.
Eine Geschichte des Geschehenlassens
Es geschah in einer Dezembernacht im Jahr 2005 – etwa zwei Wochen nach dem Hurrikan „Delta“. In dieser Zeit hatte ich massive Schlafprobleme. Jeder Windhauch ließ mich hochschrecken und oftmals lag ich stundenlang wach.
In jener Nacht allerdings fiel ich sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Plötzlich, wie aus einem schwarzen Nichts, wachte ich auf und war hellwach. Draußen rührte sich kein Palmenblatt, unsere Katze schlief zu meinen Füßen und mein Mann atmete ruhig, im langsamen Rhythmus einer traumlosen Schlafphase. Was hatte mich aufgeweckt? Es konnte kein Albtraum gewesen sein, denn ich fühlte mich entspannt und sogar ein wenig beschwingt. Ich horchte in mich hinein und nach einer Weile erschien vor meinem geistigen Auge der hellblaue Taghimmel Lanzarotes mit ein paar weißen Schönwetterwolken. Im Zentrum dieses Bildes stand in großen, weißen Lettern der Schriftzug: www.lanzarote-life.net. Da ich nicht an Zufälle glaube, musste dieses Bild eine Bedeutung haben. Ich knipste die Nachttischlampe an – der Wecker zeigte halb vier – und ging hinüber ins Arbeitszimmer. Eigentlich wollte ich sofort ins Internet, doch kaum saß ich am Schreibtisch, überfiel mich eine lähmende Müdigkeit. Ich notierte rasch die Adresse und legte mich wieder schlafen.
Am nächsten Tag erwachte ich so gut gelaunt und frisch wie selten. Meine erste Aktion galt dem Internet. Ich wollte wissen, was es mit dieser Website auf sich hatte. Aber Fehlanzeige – mein Browser zeigte die Meldung: „Der Server unter www.lanzarote-life.net konnte nicht gefunden werden“. Auch Google brachte kein Ergebnis. Also versuchte ich es über meinen Provider. Man kann dort testen, ob der Name für eine Internetseite noch frei ist. www.lanzarote-life.net war noch frei, diese Website gab es also tatsächlich nicht!
Ohne zu wissen, was das Ganze werden soll, habe ich „www.lanzarote-life.net“ einfach angemeldet. Noch am gleichen Tag entwarf ich eine vorläufige Titelseite, gab dem Projekt den Namen „Lanzarote-life.Net“ und kündigte an: „Hier entsteht eine neue Internet-Community“. Ein Link auf meine E-Mailadresse versprach „nähere Informationen“, obwohl ich nur vage Vorstellungen von diesem neuen Projekt hatte. Es sollte ein Netzwerk werden, das Menschen verbindet und zusammenbringt. Das ergab sich aus dem Namen. Es sollte für Lanzarote sein, auch das lag auf der Hand. Aber wer sollte sich dafür interessieren? Welche Themen würden sich dort finden? Und vor allem: Was soll das Ganze bringen? Mit diesen Fragen ging ich erst einmal schwanger. Ein ganzes Jahr lang. Und das war gut so. Denn es war mein erstes Jahr, in dem ich „fest“ auf Lanzarote lebte.
Die Jahre vorher hörte ich von Freunden und Bekannten immer wieder eine Klage: „Es geschieht so viel Wunderbares auf Lanzarote, aber meist erfährt man erst hinterher, was man schon wieder einmal verpasst hat.“ Was das wirklich bedeutet, wurde mir erst klar, als ich selbst ein Insulaner war. Rasch erkannte ich so etwas wie eine Trennlinie zwischen dem Norden und dem Süden der Insel. Hier und dort leben Menschen, die am gleichen Strang ziehen, ohne voneinander zu wissen. Das Gleiche gilt für die unterschiedlichen Sprachen. Wenn es um substanzielle Themen geht, bleiben Spanier, Engländer und Deutschsprachige unter sich. Sicher, es gibt Ausnahmen. Aber es sind eben Ausnahmen.
Mit dieser Erkenntnis war für mich der Knoten gelöst. Jetzt wusste ich, was Lanzarote-life.Net leisten und bringen soll. Im Nu entstand ein Konzeptpapier, das Inhalt, Sinn, Zweck und Ziel des Projektes umriss. Als es fertig war, steckte ich es in die Schublade. Warum? Lanzarote-life.Net kam im Schlaf zu mir. So sollte es bleiben. Ich ging auf Warteposition. Es gab ja eine Seite im Internet, in der ich einen Kontaktlink für „nähere Informationen“ angeboten hatte. Auf diesen Link sollte sich nie jemand melden. Die Zeit schien noch nicht reif zu sein.
Die nächsten drei Monate arbeitete ich an einem kommerziellen Internetprojekt. Als es im Januar 2007 fertig war, dauerte es keine Woche, bis Lanzarote-life.Net reif zur Umsetzung war. Maria, Mapi und Otto sprachen mich nach der sonntäglichen Meditation in der Finca Ananda an. Sie wollten ein Netzwerk aufbauen, das die spirituellen Aktivitäten auf der Insel zusammen bringt und brauchten dafür eine Website. Ob ich Lust hätte, so eine Site zu gestalten? Keine Frage! Das Konzept hatte ich ja schon. Es war nur umfangreicher und sollte sich nicht auf das Thema „Spiritualität“ beschränken. Wir vier waren uns schnell einig, dass ein übergreifendes Netzwerk entstehen soll. Der Rest ergab sich von selbst. Seit August 2007 ist Lanzarote-life.Net „offiziell“ im Internet.
Die wenigsten Ideen werden von uns gefunden. Meist finden uns die Ideen. Du hast jetzt diese Geschichte gelesen. Es ist eine Geschichte des Geschehenlassens. Wie es weiter geht? Es wird geschehen.
(Romana Brunnauer)
|